Wunderwaffe Traubenkernextrakt?

08.01.2019 11:22

WeintraubenNahrungsergänzungsmittel können in extremen Situationen durchaus Sinn machen. Wer krankheitsbedingt zum Beispiel einen Mangel an bestimmten Vitaminen hat, kann mit Zusatzpräparaten - unter ärztlicher Aufsicht - durchaus sein Defizit wieder auffüllen.

Wer sich jedoch einigermaßen gesund und vielseitig ernährt, zu frischem Obst und Gemüse greift, der sollte in der heutigen Zeit eigentlich keine Mangelerscheinungen erleiden. Die Regale in den Drogerien sind aber voll von Nahrungsergänzungsmitteln - und suggerieren, dass nur mit diesen Präparaten eine konstante Gesundheit gewährleistet ist.

Ist da was dran? Gibt es Zusatzstoffe, die uns gesünder und vitaler machen, das Leben verlängern können oder uns zumindest möglichst lange möglichst jung aussehen lassen?

Forever young

Ein Stoff, der derzeit durch die Medien kreist und als wahre Rundum-Wunderwaffe gepriesen wird ist OPC Traubenkernextrakt. OPC steht dabei für Oligomere Procyanidine. Es handelt sich dabei um ein Polyphenol, ein Vitalstoff, der vor allem in Traubenkernen und in der Schale vor allem roter Weintrauben vorkommt, aber auch in Beeren und anderen Pflanzen wie . Laut Werbeaussagen soll OPC antioxidativ wirken, dem Körper helfen, sich gegen Viren und Bakterien zu wappnen, positiv auf Arterien und Gefäße wirken und sogar das Bindegewebe stärken und die Haut straffen. Ist es also tatsächlich möglich, mit OPC Kapseln den Alterungsprozess verlangsamen?

Kann doch nicht schaden... Oder?

Viele Mythen rund um den Traubenkernextrakt - wie überdies auch zu anderen Nahrungsergänzungsmitteln - sind wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, auch wenn die ein oder andere Studie möglicherweise in diese Richtung zeigt. Deshalb sollte man solche Aussagen zumindest immer kritisch betrachten und sich auch die Gegenstimmen dazu anhören. Zu welcher Seite man dann tendiert, ist jedem selbst überlassen, denn die Nahrungsergänzungsmittel sind frei verkäuflich und somit ist es schließlich nicht verboten, sie zu kaufen.

Heilversprechen sind für Nahrungsergänzungsmittel jedoch untersagt, deshalb finden sich in den Beschreibungen der Mittel oft anstatt "hilft bei..." Ausdrücke wie "trägt dazu bei,..."! Hält sich ein Hersteller nicht an dieses Werbeverbot, sollte man Abstand nehmen.

Beachten sollte man jedoch stets Warnhinweise auf den Verpackungen sowie die angegebene Höchstdosierung. Bei OPC ist die angegebene Höchstdosierung zum Beispiel 150 mg pro Tag, was bei den meisten auf dem Markt angebotenen Präparaten bereits mit der Einnahme einer Kapsel erreicht ist. Es gibt aber auch solche mit 1000 mg pro Kapsel - frei nach dem Motto "viel hilft viel". Eine gesunde Skepsis ist hier sicherlich angebracht.

Überdies: Die Höchstdosierung erreicht man auch mit ca. 150 g bis 250 g qualitativ hochwertiger, roter Bio-Weintrauben!

Schwangere und Stillende sollten aufgrund nicht ausreichender Studien auf die eigenständige Einnahmen von Zusatzpräparaten verzichten oder dies zumindest mit ihrem Arzt abklären.

Hält man sich an diese relativ simplen Grundregeln, schaden die meisten Zusatzpräparate zumindest nicht - ob sie einen wirklichen, gesundheitlichen Nutzen haben, bleibt fraglich und muss letzten Endes jeder selbst entscheiden.


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