Plastikmüll vermeiden - aber wie?

10.10.2018 17:25

Plastikmüll in LandschaftVerschmutze Strände, riesige Meeresstrudel voll Müll, verendete Tiere, deren Mageninhalt aus Plastik besteht und direkt vor der Haustür der achtlos weggeworfene Coffee-To-Go-Becher. Diese Bilder kennen wir alle und sollten und nachdenklich stimmen, genauso wie die folgenden Zahlen:

  • Mit 220 kg Verpackungsmüll pro Nase und jährlich ist Deutschland trauriger, europäischer Spitzenreiter.
  • Nur an Plastikmüll produziert jeder Deutsche rund 25 kg pro Jahr - das sind pro Kopf ca. 6 bis 8 gelbe Säcke voll nur mit Plastik (ohne Dosen etc.)
  • Von den detuschlandweit gut 2 Millionen Tonnen Kunststoff-Abfall wird derzeit nur knapp die Hälfte wieder recycelt. Der Rest landet hierzulande meist in der thermischen Verwertung - sprich, wird verbrannt und bestenfalls zur Energiegewinnung in einem Müllheizkraftwerk genutzt.
  • Die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Plastiktüte beträgt 25 Minuten!

Es ist Zeit, dass sich hier etwas ändert. Hier ist jeder einzelne Verbraucher gefragt, denn Alternativen zu Plastiktüten und Verpackungswahnsinn gibt es genug.

Gemüse und Obst

Marktstand mit BiolebensmittelnAuf Wochenmärkten und in vielen Supermärkten, bei Feinkosthändlern oder direkt im bäuerlichen Hofladen kann man Obst und Gemüse lose kaufen. Man spart sich so unnötige wie unsinnige Verpackungen wie die Folie, in der die Gurke eingeschweißt wurde oder die Plastikschale Möhren, die zusätzlich noch einmal in einer Plastiktüte steckt. In vielen Läden - vornehmlich Discountern - gibt es diese Portionspackungen, die ein schnelles Einkaufen ermöglichen, bei der aber auch oft eine zu große Menge an Gemüse im Einkaufswagen landet. Warum ein Pfund Pilze kaufen, wenn man vielleicht nur 3 Stück braucht?

Genau die Menge einzukaufen, die man auch tatsächlich braucht, macht ökologisch wie ökonomisch durchaus Sinn. Wird das Lebensmittel nämlich nicht rechtzeitig verbraucht, landet es allzu oft vergammelt auf dem Müll. Schade drum! Rechnet man nun den Preis für die Schachtel einmal um auf die tatsächlich verwendeten Stücke, lohnt es sich preislich oft sogar, zum vielleicht etwas teureren, aber dafür lose verkäuflichen Bio-Lebensmittel zu greifen.

Die ausgehängten Plastiktüten, in denen man sich selbst Gemüse abfüllen kann, sollte man auch getrost links liegen lassen. Erfreulicherweise steigen immer mehr Geschäfte auf Papiertüten um oder bieten diese zumindest parallel zu den Plastiktüten an. Da aber auch eine Papiertüte nicht vom Himmel fällt, sondern produziert werden muss, ist die noch umweltfreundlichere Alternative immer wieder verwendbare Beutel oder Netze.

Kühlregal oder Frischetheke?

Schwieriger wird es schon beim Einkauf von Fleisch, Käse und Co. Am Selbstbedienungsregal ist alles in Plastik eingeschweißt. Verpackungsfreundlicher ist da der Kauf an der Frischetheke - wobei auch hier die Salami wieder in einer Tüte landet.

Am verpackungsärmsten wäre der Einkauf mit selbst mitgebrachten Behältnissen, in die man sich die Ware direkt hineinlegen lassen könnte. Leider scheitert das jedoch oft an Hygienevorschriften, die eine Übernahme der fremden Behälter über den Thekenbereich eigentlich untersagen.

Derzeit wird in einem Edeka-Markt in Büsum ein neues System getestet, das eine Rücknahme der im Markt gekauften Mehrweg-Boxen vorsieht. Man kauft also einmal eine Box, lässt sich diese befüllen, gibt sie beim nächsten Einkauf wieder ab und erhält eine neue Box zum Befüllen. Ein Ansatz, der hoffentlich bald bundesweit Nachahmer findet.

Brot & Backwaren

Brot beim Bäcker gibt es in Papiertüten, doch im Supermarktregal stapeln sich die Brote in Plastiktüten. Dabei hat mittlerweile jeder Supermarkt und Discounter auch eine Frisch-Brot-Theke. Die Papiertüten jedoch weisen jedoch auf der Vorderseite immer ein Plastikfenster auf, damit die Kassiererin sehen kann, um welches Brot es sich handelt. Auch hier gibt es eine einfache Lösung: Man nehme wieder das bereits beim Gemüse erwähnte Netz bzw. halbdurchsichtige Beutel, und schon hat man die Verpackung gespart - und an der Kasse ist dennoch ersichtlich, was der Kunde da kaufen möchte.

Hygieneartikel

Eine Seife - plastikfrei verpackt - ersetzt ohne jeglichen Aufwand die Plastikflasche mit Flüssigseife.Flüssigseife am Waschbecken, Duschgel auf der Badewannen-Ablage - unsere Badezimmer sind ein reinstes Plastik-Panoptikum. Mit wenig Aufwand lässt sich aber auch hier Abhilfe schaffen. Statt flüssige Handwaschseife tut es auch das gute alte Stück Seife, die in jedem Drogeriemarkt in der Pappschachtel feilgeboten wird. Auch zum Duschen eignen sich Seifenstücke aller Art, und es gibt sogar Haarwaschseife.

Sogenannte Shampoo-Bits oder Shampoo-Bars sehen aus wie Seife, sind aber tatsächlich im Prinzip Shampoo, dem das Wasser entzogen wurde und daher fällt hier die Umstellung von Flasche auf Waschstück nicht allzu schwer.

Zahnbürsten gibt es statt aus Plastik (die auch wieder in einem Plastik-Blister verschweisst ist) auch aus Holz oder Bambus, Wattestäbchen mit Papierschaft und Waschpulver für die Waschmaschine kommt in einem Karton völlig plastikfrei daher.

Leider garantiert der Griff zur Naturkosmetik nicht automatisch Plastikfreiheit, denn leider sind auch hier die meisten Produkte in Kunststoff verpackt.

Keine Alternative gefunden? Das könnt ihr trotzdem tun!

Großgebinde kaufen spart zumindest einen Teil des Verpackungsmülls. Wem das Gebinde dennoch zu groß ist, der kann sich dieses möglicherweise mit Freunden oder Verwandten teilen - einfach mal fragen! Nach dem gleichen Prinzip funktionieren überdies auch die Unverpackt-Läden, die es in einigen Großstädten bereits gibt. Eine gute Übersicht über solche Läden, in denen man sich die Ware in mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Behälter abfüllen kann, findet ihr überdies auf Shia's Blog Wastelandrebel.

Schwarze Kunststoff-Flaschen, z. B. von Shampoo oder Duschgel, werden von den Scannern der Recycling-Anlagen nicht erkannt und somit aus dem Verwertungskreislauf aussortiert. Solche Flaschen einfach im Regal stehen lassen!

Getränke werden 'dank' Dosenpfand sehr oft in Einweg-Pfandflaschen verkauft. Alternativen hierzu sind Glasflaschen oder Mehrweg-Pfandflaschen aus Kunststoff. Oder man trinkt einfach das gute alte Wasser aus dem Wasserhahn, welches übrigens das am besten kontrollierte Lebensmittel ist!

Schachteln von Fleisch, Käse oder Aufschnitt bestehen oft aus einem anderen Kunststoff als die abziehbare Folie obenauf. Zieht man diese nicht ganz von der Schachtel ab, wird die gesamte Verpackung beim Recycling-Prozess aussortiert und hat keine Chance auf Wiederverwertung. Also, wenn schon diese Verpackung, dann immer die Folie ganz abziehen. Gilt überdies auch für Joghurtbecher...

Fazit

Es ist sicherlich schwierig, komplett auf Plastik zu verzichten. In einigen Bereichen, z. B. in der Medizin, macht es auch durchaus Sinn, etwas steril und/oder einzeln einzupacken. Unnötige Verpackungsmaterialien können aber in den meisten Fällen sinnvoll ersetzt oder ganz weggelassen werden, ohne eine Einbuße in der Qualität beim gekauften Produkt befürchten zu müssen.

Hier liegt es an jedem Einzelnen, seinen Beitrag zu leisten.


Bildnachweise:

Müllcontainer: RitaE / Pixabay.com

Marktstand: brigwa / Pixabay.com

Seife: jussiak / Pixabay.com


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