Nahrungsmittelallergie - Wenn das Immunsystem überreagiert

10.04.2015 11:36 | Gesundheit

ApfelBis vor wenigen Jahren standen Äpfel ganz selbstverständlich auf Petras Speiseplan. Doch eines Tages bekam sie beim herzhaften Biss in einen Apfel Pusteln im Mund und - weil sie dennoch das Apfelstück runterschluckte - schmerzhafte Magenkrämpfe. Plötzlich reagierte ihr Körper mit bis dahin nie aufgetretenen Abwehrmechanismen gegen ein harmlos anmutendes Nahrungsmittel.

Solche Nahrungsmittelallergien treten leider immer häufiger auf. Warum das so ist und was man als Betroffener tun kann, möchten wir hier genauer beleuchten.

 

Nahrungsmittelallergie - Was passiert im Körper?

Allergisch reagiert der Körper, wenn das Immunsystem aktiv gegen einen Stoff - ein sogenanntes Allergen - kämpft wie gegen einen Krankheitserreger. Das können also auch eigentlich gar nicht gefährliche Stoffe wie Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel sein.

Zum Beispiel Petras Apfel.

Das Immunsystem schüttet große Mengen an Antikörpern des Typs IgE aus, die sich an die Mastzellen setzen und diese veranlassen, vermehrt Histamin freizusetzen. Histamin ist der Hauptverantwortliche für die bekannten allergischen Reaktionen wie Niesen, Jucken, Tränenfluss, Atemnot durch Verrengung der Luftröhre und/oder der Bronchien. Allesamt Abwehrreaktionen, die den vermeintlich krankheitserregenden Stoff am Eindringen in den Körper hindern bzw. ihn schnell wieder aus dem Körper heraustransportieren sollen.

 

Auf der Suche nach den Ursachen

Die Ursachen für diese Fehlreaktion des Körpers ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Familiär gehäuftes Auftreten spricht dafür, dass erblich vorbelastete Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an einer Allergie zu erkranken. Allerdings bekommen auch Menschen Allergien, deren Vorfahren nie an einer Allergie litten.

Weitere Theorien weisen auf Umweltfaktoren hin. Vermehrte Schadstoffbelastung in Luft und Lebensmittel (z. B. durch Pestizide) könnten ebenso für die Fehlprogrammierung des Immunsystems verantwortlich sein wie ein zu hohes Maß an Hygiene. Denn - so die Theorie - wenn das Immunsystem durch zu viel Sauberkeit mit den normalen Stoffen des Alltags nicht oder nicht ausreichend in Kontakt kommt, stuft er sie später als unbekannt und damit potentiell gefährlich ein.

 

Therapie von Nahrungsmittelallergien

ArztbesuchSchritt 1 ist sicherlich zunächst die Vermeidung des allergieauslösenden Nahrungsmittels. Das ist aber nicht immer ganz einfach. Denn gerade für Allergiker, die auf mehrere Lebensmittel reagieren, ist es nicht leicht, sich dennoch ausgewogen zu ernähren. Ein Restaurantbesuch wird schwierig, wenn nicht gar unmöglich - trotz neuer Regeln für die Lebensmittelkennzeichnung bleibt für hochgradige Allergiker immer ein Restrisiko.

Ernährungsberater können an dieser Stelle eine große Hilfe sein. Sie unterstützen den Allergiker bei der Auswahl der Lebensmittel, erarbeiten einen ausgewogenen Speiseplan, klären den Patienten umfassend auf und beraten auch zu Problemen, die im Alltag auftreten können. Wer sich an dieser Stelle für die vielfältigen weiteren Aufgaben eines Ernährungsberaters interessiert, dem sei die Seite www.ernährungsberater-ausbildung24.de ans Herz gelegt.

Deshalb sollten Allergiker auch immer ein Notfall-Set dabeihaben. Darin enthalten: Allergie-Tabletten, Asthma-Spray, Nasenspray, Augentropfen oder sogar Spritzen mit dem Hormon Adrenalin, welches einem Kreislaufversagen entgegenwirkt. Allergiker sollten sich bei der Zusammenstellung ihres persönlichen Allergie-Notfallsets eng mit ihrem Arzt abstimmen, denn welche Medikamente der Einzelne im Falle X braucht, ist individuell sehr unterschiedlich.

 

Eine Hyposensibilisierung wie beispielsweise bei Pollenallergien, bei der der Körper durch regelmäßge kleine Gaben des Allergens quasi an den Stoff gewöhnt wird, hat aufgrund hoher Nebenwirkungen bislang noch keinen durchschlagenden Erfolg erzielt. Am Sichersten ist daher nach wie vor die Meidung des Allergens.

Alle paar Jahre sollte man allerdings einfach ausprobieren, ob der Körper tatsächlich noch allergisch auf ein bestimmtes Lebensmittel reagiert. Denn Allergien können im Laufe der Zeit - vor allem bei Kindern - auch wieder verschwinden.

 

Verarbeitete Lebensmittel werden im Gegensatz zu frischen selbst von Allergikern gut vertragen. So können Apfelallergiker oft problemlos zu Apfelmus greifen oder Apfelkuchen essen. Ist man allergisch gegen Haselnüsse, lohnt es sich, einmal geröstete Nüsse auszuprobieren. Denn durch das Erhitzen wird das Eiweiß, welches verantwortlich für die Allergie ist, zerstört.

 

Gerade beim Obst wie Petras Apfel gibt es noch einen weiteren Ansatz, der sehr interessant ist. Es wurde beobachtet, dass alte Obstsorten, die es leider heute zumindest in den großen Supermarkt- und Discounterketten nicht mehr zu kaufen gibt, von Obstallergikern meist sehr gut vertragen werden.

Das Problem der "neuen" Sorten: Sie wurden auf Masse gezüchtet, und mussten hierzu vor allem gegen Mehltau und Schorf möglichst resistent zu sein. Zur Zucht wurde fast immer die Sorte "Golden Delicious" herangezogen, die aber ein Eiweiß aufweist, dass bei empfindlichen Menschen heftige allergische Reaktionen auslösen kann. Und dieses Eiweiß wurde an die neuen, industriellen Massen-Sorten weitergegeben.

Wer also gerade unter einer Apfel-Allergie leidet, sollte einmal alte Obstsorten ausprobieren. Diese findet man manchmal in Bio-Märkten, lokalen Obstverkäufen von Streuobstwiesen oder auch im Versandhandel, zum Beispiel bei der Obstbaumschule Hoffmann.

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